Armut, Hunger, Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel – der aktuelle Welthandel verschärft all diese sozialen und ökologischen Probleme statt zu ihrer Beseitigung beizutragen. Der Faire Handel will mit seinem alternativen Handelskonzept vor allem am Anfang der Lieferkette die Lebens- und Arbeitsbedingungen von (Klein-)Bäuerinnen und Bauern sowie Arbeiter*innen  im Globalen Süden verbessern, ihre politische und wirtschaftliche Position stärken und gemeinsam Zukunftsperspektiven schaffen.

Der aktuelle Welthandel ist durch ungleiche Beziehungen zwischen den Handelspartner gekennzeichnet. Die Länder des Globalen Südens dienen nachwievor hauptsächlich als Lieferanten von Rohstoffen für Unternehmen im Globalen Norden. Hier findet die Veredelung und damit die Wertschöpfung statt. In manchen Branchen findet die Fertigung zwar ebenfalls in Ländern des Globalen Südens statt. Dann jedoch oft in Freihandelszonen oder in Unternehmen mit schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhne. Auch in diesen Fälle wird mit den Produkten das meiste Geld im Globalen Norden verdient.

Da der konventionelle Handel vorrangig gewinnorientiert agiert, müssen Umsätze ständig steigen und Produktionskosten gleichzeitig gesenkt werden. Umwelt- oder klimapolitische Aspekte spielen ebenso wie soziale eine untergeordnete Rolle.

Von dem stetig wachsenden globalen Handel profitieren nicht alle im gleichen Maße: Natur und Mensch im Globalen Süden bleiben oftmals auf der Strecke.

Genau hier setzt der Faire Handel an. Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt. In partnerschaftlichen, langfristigen und gleichberechtigten Handelsbeziehungen zeigt er gemeinsam mit den Produzent*innen einen Weg auf, wie globaler Handel auch unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien erfolgreich gestaltet werden kann.

Der Fairer Handel ist eine weltweite Bewegung. Die zahlreichen Fair-Handels-Organisationen verfolgen dabei verschiedenste Ansätze, beziehen sich jedoch auf übereinstimmende Grundsätze und Werte. So haben sich im Jahr 2001 die wichtigsten europäischen wie internationalen Netzwerke des Fairen Handels auf folgende gemeinsame Definition verständigt:

Fairer Handel ist eine Handelspartnerschaft, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruht und nach mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel strebt. Durch bessere Handelsbedingungen und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzent*innen und Arbeiter*innen – insbesondere in den Ländern des Südens – leistet der Faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung. Fair-Handels- Organisationen engagieren sich (gemeinsam mit Verbraucher*innen) für die Unterstützung der Produzent*innen, die Bewusstseinsbildung sowie die Kampagnenarbeit zur Veränderung der Regeln und der Praxis des konventionellen Welthandels.

Um die Idee des Fairen Handels auf die heutigen Herausforderungen des internationalen Handels in einer immer stärker globalisierten Welt zu übertragen, wurde 2018 die neue Internationale Charta des Fairen Handels veröffentlicht, die grundlegende Werte für die globale Bewegung des Fairen Handels festlegt.  

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Entstanden als alternativer Ansatz zum konventionellen Handel, der die Kluft zwischen Nord und Süd, zwischen Arm und Reich eher verstärkt denn gemindert hat, verfolgt der Faire Handel seit seiner Gründung drei Ziele. Er will zuallererst benachteiligte Produzent*innen-Gruppen im Globalen Süden beim Marktzugang unterstützen. Im Globalen Norden soll zudem ein verändertes (Konsum-) Verhalten der Verbraucher*innen erreicht werden, das sich stärker an sozialen und ökologischen Aspekten der Herstellungsbedingungen orientiert.  Und drittens möchte der Faire Handel dazu beitragen, daß sich die Rahmenbedingungen für die Partner*nnen in den Ländern des Globalen Südens verbessern.

Im Zuge der aufkommenden Diskussionen um Umweltverzerstörung und Klimawandel legt der Faire Handel zudem seit Jahren auch großen Wert auf eine nachhaltige, ökologische Herstellung seiner Produkte.

 

Auch der Faire Handel kann nicht ohne Standards funktionieren. Sie sind allerdings nicht gesetzlich festgeschrieben, wie das beispielsweise im Bio-Bereich der Fall ist. Dies erklärt auch die Vielzahl an Siegeln und Labels, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Insgesamt beschreiben die Fair-Handels-Standards soziale, ökonomische und ökologische Kriterien für faire Produktion und Vermarktung

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Fairer Handel auch im Norden

Produkte aus dem Fairen Handel stammten anfangs ausschließlich aus Ländern des Globalen Südens und wurden in den Globalen Norden exportiert. Seit einigen Jahren ändert sich dies. Denn die Teilnahme, darin sind sich die Mitglieder des Forum Fairer Handel einig, soll nicht von einem bestimmten Herkunftsland abhängen sein, sondern davon, ob und wie eine Produzentengruppe im regionalen oder nationalen Kontext benachteiligt ist.

Neben dem sogenannten "Domestic Fair Trade" ("Fairer Handel im eigenen Land"), mit dem die Produzent*innengruppen auch für den einheimischen Markt produzieren, bieten daher einige deutsche Fair-Handels-Importeure seit einiger Zeit fair gehandelte Produkte aus dem Globalen Norden an. Denn auch hier gibt es ökonomische Rahmenbedingungen, die es europäischen (klein-)bäuerlichen Produzent*innen unmöglich machen, kostendeckend zu arbeiten. So können z.B. die Molkereigenossenschaft Berchtesgardener Land  und die Naturkäserei Tegernseer Land ihre Milch  nun zu Fair-Handels-Bedingungen verkaufen. Aus Slowenien kommen zudem Bio Kräutertees

Da auch wir uns für eine bäuerliche Landwirtschaft im Globlen Süden und Norden einsetzen, begrüßen wir diese Entwicklung.

 

Der Faire Handel ist eine weltweite Bewegung. Allein in Deutschland engagieren sich rund 100.000 Menschen für einen gerechteren Welthandel. Der Faire Handel ist damit die größte entwicklungspolitische Bewegung in Deutschland. Der Handel und Vertrieb von fair gehandelten Produkten ist dabei nur eine Säule des Fairen Handels.

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