Glaubwürdigkeit ist die wesentliche Voraussetzung für Fairen Handel. Neben transparenter Produkt- und Preisbildungspolitik verpflichten sich die Anbieter_innen im Globalen Norden (Europa, Nordamerika) bestimmten Kriterien, bilden in diesen aber auch unterschiedliche Standpunkte ab. Als wichtigste Orientierungsgrößen gelten die Kriterien von Fair Trade International (FLO), deren deutscher Vertreter TransFair e.V. das grün-schwarz-blaue Siegel vergibt, und die World Fair Trade Organization (WFTO; früher IFAT):

Ein zentrales Prinzip im Fairen Handel ist das Verbot illegaler Kinderarbeit oder Zwangsarbeit. Kinderarbeit ist ein Symptom verarmter Gesellschaften, da sie oft aus der Armut der Eltern resultiert. Durch den frühzeitigen Zwang zur Arbeit bleibt den Kindern der Zugang zur Bildung, die einen sozialen Aufstieg befördern könnte, verwehrt. Besonders dramatisch ist in diesem Zusammenhang, dass Kinderarbeit zu einem erhöhten Angebot an billigen Arbeitskräften führt und somit auch wieder als Ursache für die Elternarmut wirkt. Umstritten ist, welche Form der Kinderarbeit als problematisch und ausbeuterisch gilt. Zugrundegelegt werden hier die Kriterien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die Arbeit von Kindern unter 13 Jahren, jegliche Form der Zwangsarbeit, Kinderprostitution, illegale Tätigkeiten (z.B. Drogenkurier), den Einsatz als Kindersoldaten und Arbeiten, die Gesundheit, Sicherheit oder Sittlichkeit gefährden (z.B. lange Nachtarbeitszeiten, Bergbau) ausschließt.

Ein weiteres Fair Trade-Kriterium ist der garantierte Mindestpreis, den die Produzenten und Produzentinnen unabhängig von Schwankungen im Welthandel erhalten. Dieser ist für die Bauern und Bäuerinnen somit vorab berechenbar und liegt über den Weltmarkpreis, sie er neben den faktischen Produktionskosten noch einen Investitions-Betrag für die Weiterentwicklung der Produktion erhalten. Ob diese Entwicklungsprämie für Gesundheit, Bildung, Umwelt oder Ökonomie investiert wird, entscheiden die Dorfgemeinschaften vor Ort. Wenn Bauern und Bäuerinnen darum bitten, wird mit den Importeuren vereinbart, einen Teil der Ware vorzufinanzieren. Diese Maßnahme ermöglicht den Produzenten und Produzentinnen, finanzielle Hürden zu überwinden, unternehmerisch zu denken und bietet einen besseren Schutz vor Verschuldung oder der Verführung, kurzfristig einen schlechten Preis anzunehmen, um die eigene Familie weiter ernähren zu können.

Wesentlich für den Fairen Handel sind langfristige, verlässliche Handelsbeziehungen, die den Produzenten und Produzentinnen im Globalen Süden Planungssicherheit und Investitionsmöglichkeiten bieten. Diese zeigen, dass sich Fairer Handel nicht auf die einfache Abnahme produzierter Waren beschränkt, sondern nach einer Handelspartnerschaft auf Augenhöhe strebt. Die Verpflichtung zur langfristigen Partnerschaft fördert dabei auch die Verwirklichung von Arbeitnehmerrechten und die Entwicklung von Wissen, Fähigkeiten und Ressourcen in den Dorfgemeinschaften, um mehr Kontrolle über die eigene Zukunft zu erlangen.

Ein häufiges Problem marginalisierter Produzenten/innen ist der unzureichende und ineffiziente Zugang zu Handels- und Wertschöpfungsketten. Der Faire Handel verpflichtet sich, die Handelskette möglichst bis zum Direkteinkauf zu verkürzen, sodass die Produzenten und Produzentinnen mehr vom Endverkaufspreis ihrer Waren erhalten, als dies im konventionellen Handel der Fall ist. So kann der soziale Nutzen traditioneller Produktionsformen in den Gemeinschaften berücksichtigt werden, während Verbraucher_innen im Globalen Norden für das übergeordnete Ziel eines gerechten und ausgeglichenen Welthandelssystems sensibilisiert werden.

Nach wie vor ist die Einhaltung grundlegender sozialer Standards in der Produktion eine der größten Herausforderungen des Fairen Handels. Die Einhaltung grundlegender Menschenrechte ist nicht verhandelbar, reicht aber oft nicht aus, um notwendige Entwicklungen in den Produktionsländern herbeizuführen. Deshalb verpflichtet sich der Faire Handel den Arbeitsstandards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Diese umfassen die freiwillige, eigenständige Organisation der Produzent/innen und faire Handelsbedingungen auf Basis geschlossener Verträge - in der Praxis v.a. Tarifverhandlungen und Versammlungsfreiheit. Zusätzlich zählen dazu die Vermeidung exzessiver saisonaler Arbeitsbelastungen, Verbesserung der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Diskriminierungsfreiheit, Gleichstellung der Frauen und Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Obwohl biologischer Anbau explizit kein Fair Trade-Kriterium ist, werden für Kleinbauernorganisationen, Plantagen und Vertragsanbau bestimmte Umwelt-Standards vorgeschrieben. Diese umfassen die Reduzierung des Einsatzes von Agrochemikalien im konventionellen Anbau, Abfallmanagement, Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, Schutz der Wasserressourcen, Verbot gentechnisch veränderter Organismen und die Bewahrung der Biodiversität.