Die globalisierte Wirtschaft ist vernetzt wie nie zuvor. Viele Unternehmen sind direkt oder indirekt über ausgelagerte Produktionsstandorte, Einkauf von Rohstoffen, Zukauf von Produkten, aber auch Investitionen und anderen Beteiligungen weltweit tätig. Damit haben sie auch Einfluss auf Länder des Globalen Südens. Dahinter steht meist ein komplexes Netz aus Zuliefer- und Weiterverarbeitungsbetrieben. 

Rechte, die für uns in Deutschland selbstverständlich sind, werden durch Wirtschaftsunternehmen anderenorts oft verletzt – auch für Produkte „Made in Germany“. Neben der Verletzung grundlegender Arbeitsnehmer*innenrechte, wie den ILO-Kernarbeitsnormen, gibt es Vielzahl weiterer Menschenrechtsverletzungen: Die Vertreibung und Zerstörung des Lebensraums indigener Gemeinschaften im Zuge von Landgrabbing für agrarindustrielle Projekte in Lateinamerika. Die Finanzierung bewaffneter Konflikte durch den Rohstoffhandel in manchen Ländern Afrikas.

Um Menschenrechte zu schützen, müssen deutsche Unternehmen ihren menschenrechtliche Sorgfaltspflichten nachkommen. Eine in 2016 vom ehemaligen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung Markus Löning veröffentlichte Studie zeigt, dass selbst große Unternehmen meist noch ganz am Anfang stehen, ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen. Von den befragten Großfirmen haben nur die Hälfte überhaut Risikoanalysen betrieben und nur ein Drittel schließt dabei die gesamte Lieferkette ein.

Wirtschaftsstandort Niedersachsen

Auch das Land Niedersachsen und seine Wirtschaft sind global vernetzt. Niedersachsen ist ein europaweit führender Mobilitätsstandort. Der Wirtschaftsraum Wolfsburg-Hannover-Braunschweig gehört zu den größten Ballungsräumen der Automobilwirtschaft in Europa. Beim Abbau und der Weiterverarbeitung von Rohstoffen für die Autoindustrie kommt es immer wieder zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden. Niedersachsens Land- und Ernährungswirtschaft stellt nach der Automobilindustrie die wichtigste Branche im Land dar. Auch hier sind die globalen Verknüpfungen vielfältig: Vom Anbau von Soja und der damit verbundenen Vertreibung der indigenen Bevölkerung in Südamerika bis hin zu den Fleischexporten nach West- und Südafrika, die dort die lokalen Märkte zerstören. Einige niedersächsische Unternehmen zeigen bereits Ansätze zur Umsetzung von Menschenrechten entlang Ihrer Lieferketten – an vielen Stellen gibt es jedoch noch Nachbesserungsbedarf.

Neben der Zivilgesellschaft beschäftigt das Thema der Unternehmensverantwortung zunehmend Politik und Wirtschaft in Niedersachsen und Deutschland. Einen Anstoß dafür haben nicht zuletzt die UN-Leitprinzipien Wirtschaft und Menschenrechte (2011) und dessen Umsetzung durch den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte in Deutschland (2016) gegeben.