Erdöl ist ein immer knapper werdendes Gut. Die Preissteigerungen der jüngeren Vergangenheit und ein weiteres erwartbares Klettern des Ölpreises in der Zukunft machen Erdöl zu einer der begehrtesten Ressourcen überhaupt. Zur Sicherung der globalisierten Güterindustrie, für die Mobilitätsbedürfnisse einer rasch wachsenden Zahl an Menschen, die mit dem Auto oder dem Flugzeug unterwegs ist, sind immense Mengen an Erdöl nötig Gegenwärtig werden ca. 30 Milliarden Barrel jährlich gefördert (ein Barrel sind ca. 158 Liter), das sind 1.000 Fässer pro Sekunde! Der Zugriff auf diesen Rohstoff geschieht nicht immer friedlich. Es kann dabei zu Konflikten um den Zugang zu den Ölfeldern geben, häufiger sind jedoch Konflikte aufgrund der ökologischen Folgen, die die Ölindustrie hinterlässt.

Der Journalist Dominic Johnson meinte 2009 dazu: „Erdöl bringt den afrikanischen Eliten Geld und Macht. Die Verfügungsgewalt über den Rohstoff wird in den kommenden Jahren der wichtigste innenpolitische Konflikt in den ölreichen Ländern Afrikas". Viele der Ölförderländer verfügen nicht über zuverlässige staatliche Instanzen, die die Rechte Einheimischer schützen, oftmals profitieren Eliten der Diktaturen oder „Halb-Demokratien" von der Förderung. Paradoxerweise sind rohstoffreiche Länder anfälliger für Konflikte als rohstoffarme. Das ist darin begründet, dass die Mehrzahl der Konflikte nicht geführt wird, weil ein rohstoffarmes Land sich gewaltsam Zugriff auf die Ressourcen eines reicheren Landes sichern will, sondern weil sowohl in der Förderung als in der Verteilung der Erlöse und in der Lastenverteilung der ökologischen Folgen des Abbaus und der Förderung von Rohstoffen eine erhebliche Ungerechtigkeit herrscht.

Zudem ist der Zugang zu Erdöl von wachsendem geostrategischen Interesse. Die Industrienationen, inklusive der aufstrebenden Schwellenländer, sind bemüht, „ihren" Ressourcenzugang zu gewährleisten, wenn nötig auch mit militärischen Mitteln oder in Zusammenarbeit mit diktatorischen Regimen. Diese Militarisierung zur Rohstoffsicherung schließt kooperative Formen der Verteilung von vornherein aus und bedeutet eine Form von hegemonialem Machtanspruch, der zwar nicht neu ist, aber Gefahr läuft, an Aggressivität zuzunehmen. Dies wird mittlerweile unverhohlen auch von einigen deutschen Politikern gefördert, so z.B. Elmar Brok, EU-Abgeordneter der CDU-Fraktion: „Wir werden auch die Diskussion zu führen haben, die in Deutschland einen Präsidenten den Kopf gekostet hat, inwieweit darf man mit militärischen Mitteln Handelswege sichern, um auf Rohstoffe Zugriff zu haben. Das Thema besteht. Es macht keinen Sinn es zu leugnen. Wo ist hier die Grenze, die wir zu ziehen haben, dass man sich nicht dadurch ins Unrecht setzt?" (Quelle: http://umweltgerechtigkeit.wordpress.com). Die alltägliche Selbstverständlichkeit, wie wir die Folgeprodukte des Öls wie Benzin, Kunststoffe, Düngemittel, Pharmazeutika oder Kosmetika nutzen, legitimiert jedoch nicht eine auf Konkurrenz und Konflikt ausgerichtete Aneignung der dafür notwendigen Grundstoffe.

Ohne eine Einschränkung und Wandlung unserer Konsum- und Produktionsstrukturen und der dahinter stehenden Mentalitäten werden wir das Konfliktpotenzial, das in den Rohstoffen unserer Hochleistungsgesellschaft steckt, nicht entschärfen können, zumal die Rohstoffe ja mit der Zeit immer knapper werden (siehe Beitrag „peak oil").