880 Millionen Menschen weltweit haben keinen Zugang zu medizinischer Grundversorgung (laut Oxfam), 17 Millionen sterben an heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Tuberkulose, 5 Millionen davon aufgrund des mangelnden Zugangs zu sauberem Trinkwasser. Das Recht jedes Einzelnen auf das höchste erreichbare Maß an Gesundheit umfasst mehrere­ ­Einzelrechte. Zentral ist dabei der sichere und erschwingliche Zugang zu einer Gesundheitsversorgung ohne Diskriminierung einzelner gesellschaftlicher Gruppen. Dazu gehört aber auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser, funktionierenden sanitären Systemen, sicheren Wohnverhältnissen und dem Schutz vor gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen. Auch die Vermittlung von Gesundheitswissen oder das Verbot von medizinischen Zwangsbehandlungen sind Teil des Rechts auf Gesundheit.

Es gibt funktionierende Modelle: Die Gesundheitsprogramme der Organisation Gonoshasthaya Kendra (GK) in Bangladesch erreichen über eine Million armer Menschen, vor allem in ländlichen Gegenden. Ein kleiner, aber revolutionärer Schritt war, dass nicht allein auf die wenigen Ärzte und Krankenschwestern in Bangladesch gesetzt wird. Vielmehr gehen junge Frauen als „Gesundheitsarbeiterinnen“ in die Dörfer um sich dort um Gesundheitsprobleme zu kümmern, unter Mitwirkung von Dorfautoritäten und traditionellen Hebammen – keine Selbstverständlichkeit im muslimischen Bangladesch. Dabei werden nicht nur Krankheiten behandelt und Schwangere, Neugeborene und alte Menschen betreut, sondern die Menschen werden in Gesundheits- und Ernährungsfragen beraten und Frauen werden ge­stärkt,­­ die Gesundheitsvorsorge in die eigenen Hände zu nehmen. Mit diesem basisorientierten Ansatz wurde in den Dörfern bereits 2008 das UN-Millenniumsziel 6 (die Senkung der Müttersterblichkeit) erreicht. GK wird dabei auch von medico international unterstützt.


Hierzulande können wir uns für die Lockerung von Patenten und die Änderung der Patentregeln für Medikamente, die von europäischen Pharmaunternehmen hergestellt wurden, einsetzen. Die Patentrechte machen es ärmeren Ländern zunehmend unmöglich, neue lebensnotwendige Medikamente rasch selbst herzustellen. Deutschlands Stimme in der Welthandelsorganisation WTO sollte sich klar zu dem Recht auf Gesundheit positionieren, anstatt den einseitigen Profitinteressen einiger Pharmakonzerne zu dienen. Auch ein größeres Engagement für die öffentliche Forschung und Entwicklung von Präparaten für vernachlässigte Krankheiten wie Malaria oder Tuberkulose, muß von der Bundesregierung und der EU kommen. Am Recht auf Gesundheit erkennt man außerdem die Vernetzung von unterschiedlichen Problemen: Eine verbesserte Ernährungssituation bedeutet auch bessere Möglichkeiten, mit Krankheiten umzugehen. Und der Erhalt der ökologischen Vielfalt und eines stabilen Weltklimas garantiert auch zukünftigen Generationen die Erschließung von pflanzlichen Medikamenten und deren Wirkstoffen.