Laut der UN-Organisation für Ernährung FAO (2009) leiden fast 1,02 Milliarden Menschen an chronischer Unterernährung, dies sind 175 Millionen mehr als im Jahr 1999. Im wsk-Pakt ist festgelegt, dass jeder Mensch Zugang zu ausreichender Ernährung, bzw. zu fruchtbarem Land oder anderen Ressourcen haben muss. „Grundsätzlich liegen die Wurzeln von Hunger und Fehlernährung nicht in einer unzureichenden Lebensmittelmenge, sondern am mangelnden Zugang dazu“, so das UN-Komitee für wsk-Rechte. Das Recht auf Nahrung ist verletzt, wenn eine Regierung nicht alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um ihrer Bevölkerung eine ausreichende Ernährung zu ermöglichen. Damit ist keine flächendeckende Versorgung mit Lebensmitteln gemeint, sondern das Schaffen von Voraussetzungen, um sich selber zu ernähren. Zum Beispiel durch gesetzliche Mindestlöhne oder mittels einer juristisch einklagbaren Widerspruchsmöglichkeit gegen Enteignung von Land.

Krishnammal Jagannathan aus Indiens Bundesstaat Tamil Nadu gründete die Organisation LAFTI (Land for the Tiller’s Freedom). Sie setzt sich für die Idee Gandhis ein, dass landwirtschaftlich nutzbares Land gerecht verteilt wird. Sie erstritt, dass 13.000 Frauen der landlosen Dalits, der sogenannten „Unberührbaren“, in Eigenbesitz einer Parzelle von einem halben Hektar Ackerland kamen. Sie können jetzt eigenständig Gemüse anbauen. Gleichzeitig setzt sich die mittlerweile 83-jährige Jagannathan, die selber vor vielen Jahren mit Gandhi für Landrechte gestritten hat, mit friedlichen Mitteln für die Rechte der Dalits auf Arbeit und menschenwürdige Wohnbedingungen ein. In dem Rahmen engagiert sie sich auch gegen industrielle Garnelenfarmen, die für den Luxuskonsum in Europa den Dörfern an Indiens Südküste das Land und den Zugang zu Trinkwasser nehmen. Für ihr Engagement erhielt sie 2008 den alternativen Friedensnobelpreis. Frau Jagannathan kommt auf dem VEN-Hörbuch zu den wsk-Rechten zu Wort. Ihre Arbeit wird von der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt unterstützt.

Obwohl vorrangig die einzelnen Nationalstaaten für die Verwirklichung von Rechten zuständig sind, trägt auch der weltweite Handel mit Waren und Dienstleistungen oftmals zur Verletzung des Rechtes auf Nahrung bei. Zusätzlich können durch den Klimawandel zahlreiche Länder ihren Nahrungsmittelbedarf kaum noch decken. Unser hoher Ressourcenverbrauch Kaufkraft und unsere Mobilitäts- und Energiebedürfnisse hierzulande haben einen erheblichen Anteil an der Verursachung dieser Probleme. Wir können daher eine Kultur des bewussten Konsums entwickeln. Dies umfasst Produkte aus fairem Handel und aus ökologischem, möglichst regionalem Anbau, weniger Fleischverzehr und den Verzicht auf Produkte, für deren Anbau Menschen enteignet worden sind. Die schnelle Senkung von Treibhausgas-Emissionen gehört auch dazu. All dies passiert allerdings nur, wenn es gleichzeitig ein politisches Bewusstsein und Engagement für diese Themen in der Bevölkerung gibt, etwa für einen ökofairen Umbau des Welthandels, sowie eine wirksame Kontrolle von Großkonzernen und Finanzinstitutionen.