Noch immer gibt es ca. 800 Millionen Analpha­bet_innen weltweit. Vor allem Mädchen und Frauen sind benach­teiligt, fast zwei Drittel der Analphabet_innen sind weiblich. Insgesamt sinkt die Rate glücklicherweise. Trotzdem fehlen allein in Indien 100.000 Grundschulen. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO müssen ca. 218 Millionen Kinder arbeiten – schuften statt Schule.  Das Recht auf Bildung umfasst eine unentgeltliche Grundbildung für Kinder und, wo nötig, Erwachsene, einen nicht-diskriminierenden, gleichberechtigten Schulzugang aller Kinder eines Landes, die Möglichkeit, die Schule frei wählen zu können, sowie die Ausformulierung von konkreten Bildungszielen. Bildung gilt als „empowerment right“, stellt also eine zentrale­ Voraussetzung dar, die Menschen in die Lage versetzt, sich für andere Rechte eigenständig einzusetzen. Wenn also das Recht auf Bildung verwirklicht wird, stärkt es auch andere Menschenrechte.

Edilberto Noguera aus der kolumbianischen Küstenstadt Cartagena hat als Afro-Kolumbianer in seiner Kindheit selber unter Diskriminierung gelitten. Eine gute Schulbildung war ihm allein durch seine Hautfarbe und Herkunft vorenthalten. Edilberto hat jedoch seine Situation überwunden und arbeitet heute für die Organisation FUNSAREP in den ärmeren Stadtteilen Cartagenas. Dort entwickelt er gemeinsam mit Kinder- und Jugendgruppen konkrete Forderungen und führt Kurse durch, wie junge Menschen ihre Bildungssituation verbessern und sich außerdem besser in der Stadt für ihre Rechte einsetzen können. Jeder teilnehmende Jugendliche ist gleichzeitig Multiplikator/in, gibt seine Erkenntnisse in Lernzirkeln im Stadtteil an Andere weiter. So erreicht FUNSAREP mehr und mehr junge Menschen, die an Selbstvertrauen gewinnen, ihr Recht auf Bildung und Beteiligung einzufordern. FUNSAREP wird auch von terre des hommes Deutschland unterstützt.

Ein Schuldenerlass kann eine wichtige Voraussetzung sein, damit ein Staat das Recht auf Bildung gewährt: In Tansania hat beispielsweise die Regierung nach der Entschuldung die Grundschulgebühren abgeschafft. Danach stieg die Einschulungsquote von 57% (2000) auf 95% (2005) an. Viele Milliarden Euro Schulden der ärmeren Länder wurden von Diktatoren aufgenommen, von denen die Bevölkerung nie profitiert hat. Auch deutsche Kreditinstitute und der Staat (z.B. die KfW) vergaben Kredite und tun dies noch immer – nicht jedoch immer im Sinne der lokalen Bevölkerung. So sind Schulden, die von nicht-gewählten Herrschern gemacht wurden und die nie der Bevölkerung zugute kamen, illegitim. Wir sollten uns bei privaten und staatlichen Banken dafür einsetzen, dass diese Schulden vorzeitig erlassen werden, damit Finanzmittel für den freien Zugang zu Grundbildung, bzw. die Umsetzung des UN-Beschlusses „Bildung für alle“ frei werden.