Ernährung, Trinkwasser, Grundbildung, Gesundheitsversorgung, Arbeit, Wohnen, kulturelle Selbstbestimmung, soziale Sicherheit: Dies sind die wichtigsten wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte (wsk-Rechte), jede Frau, jeder Mann und jedes Kind auf diesem Planeten hat sie, immer und überall.Viele kennen diese Rechte nicht; sie sind jedoch gleichrangig gegenüber den politischen Menschenrechten, wie z.B. der Pressefreiheit oder dem Folterverbot. Und sie hängen eng miteinander zusammen: Wer aktiv das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen will, kann dies besser mit einem Bildungsabschluss tun. Umgekehrt ist das Recht auf Bildung ohne Meinungs- und Pressefreiheit nur schwer einzuklagen.

Oft sehen wir die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nur als Hilfsempfänger und nicht als Träger von einklagbaren Rechten. Löst das Zeitungsfoto einer brasilianischen Kleinbäuerin, die von ihrem Land vertrieben wurde, in mir das Bild eines spendenbedürftigen, hilflosen Menschen aus? Oder sehe ich eine eigenständige, handlungsfähige Persönlichkeit, deren Recht auf Nahrung verletzt wird? Es gilt, Menschen als Träger von Rechten wahrzunehmen. Auch die Vereinten Nationen stärken diesen Blickwinkel: Auf Initiative des UN-Entwicklungsprogramms UNDP liegt allen Programmen und Vorhaben der UNO mittlerweile ein menschenrechtsorientierter Ansatz zugrunde.

... bedeutet einen Perspektiv-Wechsel, der arme Menschen nicht als Almosenem­pfänger betrachtet, sondern sie aus Respekt vor ihrer menschlichen Würde als Träger von international vereinbarten Menschenrechten unterstützt. Dementsprechend werden Bedürfnisse als Menschenrechts-Angelegenheiten formuliert. Grundlegende Mangelsituationen sind demnach als Nichterfüllung dieser Rechte einzustufen. Orientierung an den Grundrechten („basic rights“), statt nur an den Grundbedürfnissen („basic needs“). Ein Bezug auf menschenrechtliche Normen, Grundwerte und die dazugehörigen Vereinbarungen (z.B. UN-Abkommen).

Der Pakt über die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte (wsk-Pakt) verpflichtet alle 149 Unterzeichnerstaaten, „zu gewährleisten, dass die verkündeten Rechte ohne Diskriminierung hinsichtlich der Rasse, Hautfarbe, der politischen oder sonstigen Anschauung oder sozialen Herkunft ausgeübt werden“ (Art.2, wsk-Pakt). Alle Länder sollen außerdem dem UN-Ausschuss für wsk-Rechte regelmäßig über die Fortschritte zu deren Verwirklichung berichten. Dabei bezieht sich der Ausschuss für seine Empfehlungen auch auf die Berichte von nichtstaatlichen Organisationen wie z.B. Amnesty International. Wie für alle Menschenrechte gilt auch für die wsk-Rechte: