Über Dreiviertel aller arbeitenden Menschen in Afrika und Südasien arbeiten unter ungesicherten Bedingungen, der Anteil bei Frauen liegt sogar bei ca. 85% (ILO 2009). Schätzungsweise 360 Millionen Menschen verdienen durch ihre Erwerbsarbeit nicht genug, um sich und ihre Familien zu ernähren. Das Recht auf Arbeit umfasst eine diskriminierungsfreie Berufswahl und die Sicherheit, unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten zu können. Damit ist jedoch kein individueller Anspruch auf einen Arbeitsplatz gemeint, sondern das Recht auf Schutz vor unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Darüber hinaus soll bei gleicher Leistung der gleiche Lohn gezahlt werden. Dieser sollte für die Versorgung der Familie ausreichend und existenzsichernd sein. Zum Schutz und zur Durchsetzung dieser Rechte gibt es weiterhin das Recht, Berufsvereinigungen zu bilden und ihnen beizutreten.

Nach der Übernahme des Euzkadi-Autoreifenwerks in El Salto/Mexiko durch Continental-Reifen verfügte der Konzern einen beispiellosen Abbau von Arbeitsrechten und Lohnsenkungen. Als die Arbeiter_innen von Euzkadi dem nicht zustimmen wollten, schloss Continental im Dezember 2001 unangekündigt die Fabrik. Die Arbeiter_innen gingen sofort in einen unbefristeten Streik und verhinderten, dass die Maschinen entfernt werden. Nach dreijährigem Arbeitskampf, Blockaden und Verhandlungen wurde dieser Streik schließlich von den höchsten mexikanischen Gerichten für rechtmäßig erklärt. Statt Entschädigungszahlungen einzufordern, verhandelten die Arbeiter_innen mit Continental, dass ihnen das Werk mehrheitlich überlassen wird – es ging um das Recht auf Arbeit, nicht um Bargeld. Sie übernahmen das Werk in eigener Regie und überführten es in eine Genossenschaft. Diese produziert bis zum heutigen Tag Autoreifen, es gab bislang keine Entlassungen. Enrique Gomez von Euzkadi erzählt den Reality-­Krimi von der Werksschließung bis zur Übernahme durch die Arbeiter im VEN-Hörbuch.

Das Engagement von Initiativen und Gruppen im Bereich Menschenrechte kann viel bewegen. Ohne die Solidarität von deutschen Organisationen und Gewerkschaften wäre es den Euzkadi-Arbeitern nie gelungen, ihr Anliegen auf der Continental-Aktionärsversammlung vorzutragen. Engagement für das Recht auf Arbeit umfasst auch z.B. die Unterstützung der Kampagne für Saubere Kleidung, die sich für Arbeitnehmer_innenrechte in der globalisierten Sportbekleidungsindustrie einsetzt. Fragen Sie beim Kauf von Sportschuhen und anderen Konsumprodukten (z.B. Handys), ob für deren Produktion die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO eingehalten wurden. ­Diese sind: Keine Kinderarbeit, keine Zwangsarbeit, keine Diskriminierungen am Arbeitsplatz und keine Unterdrückung von Gewerkschaftsarbeit. Nur aufgrund des öffentlichen Interesses und einer dementsprechenden Nachfrage bieten z.B. Kleiderhersteller zunehmend auch Hemden aus biologisch angebauter Baumwolle an. Handyproduzenten veröffentlichten erst durch den zunehmenden Druck der Öffentlichkeit die Strahlungswerte ihrer Telefone.