Im deutschen Bildungswesen findet gegenwärtig ein Paradigmenwechsel statt. Im Zentrum der schulischen Bildungsarbeit steht nicht länger die reine Wissensvermittlung sondern der Erwerb der Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten, die Menschen benötigen, um „selbständig und verantwortungsvoll Problemlösungen zu finden.“ (VENRO 2010, 3) Eine „neue Lernkultur“, deren wesentlicher Bestandteil die Kompetenzorientierung ist, ist das Schlüsselelement einer lernenden Schule, in der Schule nicht als starre Organisation, sondern als ein lebendiger Organismus und Teil der Gesellschaft verstanden wird.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei eine veränderte Rolle der Lernenden, die mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Damit verändert sich zugleich die Rolle der Lehrenden, die zu Moderator*innen und Lernbegleiter*innen werden. Darüber hinaus sollen auch Methoden, eingesetzte Medien und Lernorte erweitert werden. Lernen wird zu einem ganzheitlichen und selbstreflexiven Prozess, der Schule als Ganze und die Alltagswelt der Lernenden und Lehrenden einbezieht (vgl. Werkstatt für neue Lernkultur). Klar abzugrenzen ist hiervon jedoch die zugleich zunehmende Normierung und Leistungsorientierung, die unter dem Stichwort ‚Outputorientierung‘ ebenfalls im Zuge der Neuorientierung von Schule verankert werden soll.

Die als Kompetenzorientierung verstandene neue Lernkultur weist viele Gemeinsamkeiten mit dem Globalen Lernen auf und eröffnet diesem neue Chancen. Viele der vorhandenen Angebote von NROen erfüllen bereits wesentliche Aspekte, insbesondere wenn es um die methodische Herangehensweise und die Förderung von Kompetenzen geht.

Zugleich definiert es für NRO neue Anforderungen und Herausforderungen. VENRO stellt fest: „Die zentrale Herausforderung für alle NRO, denen das Globale Lernen ein Anliegen ist, wird darin bestehen, die Anschlussfähigkeit des Globalen Lernens an das Neue Lernen herauszustellen und dabei vor allem die besondere Eignung des Globalen Lernens für die Vermittlung wichtiger Kompetenzen konzeptionell und praktisch deutlich zu machen.“ (VENRO 2010, 5)

Laut VENRO ist die Neuausrichtung für die Akteur*innen Globalen Lernens insbesondere mit einer detaillierteren Vorbereitung und verstärkten „Rechenschaftspflicht“ in Bezug auf pädagogische Ziele verbunden (VENRO 2010, 5). Anbieter Globalen Lernens müssen genauer über die einzelnen Schülerinnen und Schüler Bescheid wissen, was eine intensivere Planung, Vor- und Nachbereitung der Angebote in Abstimmung mit Lehrkräften und Unterrichtsplänen bzw. Curricula beinhaltet. Voraussetzung hierfür ist eine gelingende Kooperation zwischen NRO und Schule, für die auch Schule bzw. die Lehrkraft ihren Beitrag leisten muss. Gelingt dies, kann die Neuausrichtung des Lernens bzw. der Lern- und Schulkultur NRO neue Zugänge in Schulen eröffnen und das Globale Lernen in Lehrplänen und Curricula verankern helfen.

Das VENRO-Arbeitspapier 19 zu "Globales Lernen trifft neue Lernkultur" können Sie hier abrufen.

Spannend ist in diesem Kontext zudem die Initiative "Schule im Aufbruch", die Schule von Grund auf umgestalten möchte: hin zu einer Lernkultur der Potenzialentfaltung. Mehr Informationen über die Initiative finden Sie auf ihrer Webseite.