cover or 2015

 

Die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben im Jahr 2007 den „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ (OR) publiziert. Dieser wurde 2015 in einer erweiterten Ausgabe neu herausgegeben. Der Orientierungsrahmen soll Lehrer*innen dabei unterstützen, Globales Lernen in der Schule zu verankern. Er gibt Anregungen für die Entwicklung von Lehrplänen und schulischen Curricula, Schulprofilen und – programmen und beinhaltet konkrete Vorschläge und Materialien, wie Fragen globaler Entwicklung in den Unterricht integriert werden können.

Obwohl der Orientierungsrahmen sich in erster Linie an Schulen bzw. Lehrkräfte, und Schulverwaltung richtet, gibt er zugleich Hinweise für die Lehrer*innenausbildung und eröffnet NRO die Möglichkeit, ihre Bildungsangebote in dieser Hinsicht zu reflektieren und zu erweitern.
Der Orientierungsrahmen greift die Erfahrungen aus der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit auf, und verknüpft diese mit Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung und aktuellen Reformen der schulischen Bildung.

Er fußt auf dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung (basierend auf den UN-Konferenzen in Rio 1992 und Johannesburg 2002). Ausgehend von den in Rio vereinbarten Zieldimensionen nachhaltiger Entwicklung, leiten die Autoren vier Entwicklungsdimensionen (Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Umwelt) ab und verknüpfen diese mit verschiedenen Handlungsebenen (Individuum, Familie/Kleingruppe, Gemeinde, Staat, Region, Nation/Staat, transnationale Einheiten, Welt). So wird versucht, heraus zu arbeiten, wie nachhaltige Entwicklung vom Individuum bis hin zu internationalen Organisationen verwirklicht werden kann.

In einem gesonderten Kapitel analysiert der Orientierungsrahmen die Auswirkungen der veränderten (globalen) Lebenswelten auf die Schule, und begründet so einerseits die Notwendigkeit, einer Ausweitung des schulischen Themenspektrums, das die globalen Herausforderungen besser abdeckt. Er stellt jedoch andererseits fest, dass Inhalte zwar für das Verständnis komplexer Strukturen und Prozesse unerlässlich sind und dazu verhelfen, Felder und Ziele für das eigene Handeln zu erschließen, aber dass sie sich eben auch schnell verändern, und deshalb eher „Mittel zum Zweck" seien. So betont er, dass es neben der Wissensvermittlung insbesondere darum gehe, Problembewusstsein zu befördern und Handlungskompetenzen zu stärken.

Der Einbezug der Themen Globaler Entwicklung soll nach Ansicht der Autor*innen Schüler*innen dazu befähigen,
• das persönliche und berufliche Leben zu gestalten,
• die eigene Gesellschaft mit zu gestalten und
• und Mitverantwortung im globalen Rahmen zu übernehmen.

Anders als in der bisherigen schulischen Praxis rät der Orientierungsrahmen zu fachübergreifendem Unterricht, in dem Inhalte aufeinander bezogen und Wechselwirkungen sowie Zielkonflikte zwischen den verschiedenen Dimensionen verdeutlicht werden können.

Darüber hinaus definiert er den Lernbereich Globale Entwicklung "als Aufgabe der ganzen Schule" ('whole school approach') und weist darauf hin, dass neben dem Unterricht auch die Schulentwicklung, das Schulleben, die Bewirtschaftung der Schule und ihre Kooperationen und Partnerschaften mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung stärker in den Blick genommen werden müssen.


Der Orientierungsrahmen stellt die Vermittlung von Kompetenzen in den Mittelpunkt. Kompetenzen beschreiben dabei die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Schülerinnen und Schüler im Unterricht erwerben sollen. Der Orientierungsrahmen definiert 11 fachübergreifende Kernkompetenzen, die in die drei Bereiche ERKENNEN, BEWERTEN, HANDELN zusammen gefasst werden, und daran anschließende fachspezifische Teilkompetenzen.

In der überarbeiteten Fassung sind Umsetzungsbeispiele für die Grundschule sowie für nahezu alle Schulfächer der Sekundarstufe I zu finden - von Deutsch über Geografie und Bildende Kunst hin zu Mathematik und Sport. Ferner werden auch die Berufliche Bildung sowie die Lehrer*innenbildung aufgegriffen.

 

Die vollständige Fassung steht auf der Homepage der Engagement Global zum Download bereit:
http://www.engagement-global.de/globale-entwicklung.html