dsc03588Im Rahmen des Projektes wollte der Kooperationspartner IFTz dem zunehmenden Problem Landraub begegnen und dazu u.a. eine Fallstudie durchführen, einen Workshop zu der Dynamik und den Konsequenzen von Landraub organisieren und dabei Strategien für die Bekämpfung von Landraub entwickeln.

Ziel des Projektes sollte es also sein, überhaupt ein Bewusstsein bei den Bauern und Bäuerinnen und auch bei den Regierungen für das Problem zu schaffen und Möglichkeiten für die Vermeidung zu erarbeiten.

 

Der Workshop:

Im Januar 2012 fand der Workshop in Dodoma statt, es waren 28 Teilnehmer vor Ort, darunter Kleinbauern und - bäuerinnen, NGO-, Presse- und Regierungsmitarbeiter, Juristen und 9 Frauen. Für das Programm waren eine Präsentation der Fallstudien (Details siehe unten), eine anschließende Diskussion und die Entwicklung von Strategien vorgesehen.

Es gab mehrere Inputs, in denen von Experten und Expertinnen über Landrechte, die Gründe, Typen und Vorgehensweisen von Landraub, die Akteure und über legale Strategien zur Vermeidung von Landraub referiert wurde.

Bei der Diskussion wurde klar, dass fast kein Vorwissen zum Thema vorhanden war. Die Betroffenen sagten, dass Bildung zwingend notwendig ist, da sich die meisten nicht über die langfristigen Folgen im Klaren sind. Außerdem müsse die Rolle der Dorfchefs und der Regierungen verändert werden, da diese nicht im Interesse der Bevölkerung handeln. Desweiteren wäre es sinnvoll, über andere Akteure, z.B. die Medien zu gehen, die eine große Hilfe leisten könnten.

Die folgenden Pläne wurden von den Teilnehmenden zusammen entwickelt:

 

dsc03576Trainings/Workshops zu den Themen Landraub/Landrechte sollen vermehrt angeboten werden,

die Teilnehmer sollen die Ergebnisse in ihre Gemeinschaft tragen und damit auch die Öffentlichkeit erreichen,

mit bestehenden NGOs sollen Netzwerke entwickelt und gestärkt werden,

Gemeinschaften sollen Hilfe bei der Entwicklung von Landnutzungsplänen bekommen,

durch mehr Recherchen sollen langfristige Lösungen entwickelt werden.

 

Der Workshop verlief gut, die Betroffenen kamen zu Wort, die Referenten und Referentinnen präsentierten ihre Themen sehr  professionell, sodass die Strategien gut entwickelt werden konnten.

 

Die Landraub-Fälle:

Sieben verschiedene Landraub-Fälle wurden von Betroffenen beim Workshop vorgestellt.

Durch fast alle Erzählungen zog sich, dass ein großes Problem die Unwissenheit der Bauern ist und sie deswegen ihr Land teilweise bereitwillig für wenig Geld hergeben, weil sie auf die Versprechen der Investoren hoffen und nicht die langfristigen Ausmaße ihres Handelns einschätzen können.

Außerdem ist ein Problem, dass die Regierung und die sog. Leader (Chefs auf verschiedenen Ebenen) dazu neigen, ihre Bevölkerung zu hintergehen und die Landdeals voranzutreiben, weil sie teilweise selber davon profitieren können. Sogar die Polizei wird von der Regierung manchmal für ihre Machenschaften genutzt, bei ihr kann sich die Bevölkerung also auch keinen Schutz erhoffen.

Schwierig ist zudem oft, dass niemandem das Land offiziell gehört, es keiner weiß oder es nicht anerkannt wird. So kommt es vor, dass laut Nutzungsplan vergebenes Land einfach von großen Firmen beansprucht wird.

Manchmal wurde auch von Konflikten zwischen Viehhaltern und- hälterinnen und Kleinbauern und-bäuerinnen gesprochen. Viehhalter_innen sind oft kapitalkräftiger und beanspruchen mehr Land, vor allem für einen anderen Nutzen. So kommt es öfter zu Interessenskonflikten, den die Kleinbauern und - bäuerinnen meistens verlieren. In einem Fall wurde sogar die Ernte von Kleinbauern und- bäuerinnen zerstört und gegen ihre Familien gewalttätig vorgegangen.

Hier noch einige konkrete Beispiele:

 

1987 wurden in der Region Dodoma Menschen aufgefordert, ihr Land zu verlassen, damit eine Mädchenschule gebaut werden kann. Dafür verlangte die Regierung eine viel größere Fläche als eigentlich nötig. Bis heute wurde die Schule nicht gebaut und die Bewohner_innen durften nicht zurückkehren.

 

In der Region Morogoro wurden vor ca. 10 Jahren 22.000 Bauern von einem Investor beeinflusst, der ihr Land wollte. Der Konflikt hält bis heute an und ist sehr gewalttätig, Häuser der Bauern werden abgebrannt oder sie werden mit Hilfe der Polizei grundlos verhaftet. Frieden und Gerechtigkeit gibt es nicht.

 

Eine Frau aus der Region Dodoma hat inzwischen ihr Land mit Hilfe einer Anwältin zurückgeholt, dass ihr von ihrer Familie jahrelang vorenthalten wurde. Sie sagt, es wäre gar nicht so weit gekommen, hätte sie von Anfang an von ihren Rechten gewusst.

 

Die zukünftige Arbeit von IFTz:

Im April 2012 fand ein weiterer jährlicher Workshop von IFTz statt. Das Thema war auf Grund des Projektes das Tempo des Landraubs und die Auswirkungen auf Kleinbauern und -bäuerinnen und ländliche Gemeinschaften. Es wurde gefordert, dass endlich von allen Akteuren anerkannt werden müsse, dass das Problem steigt, hauptsächlich die korrupte Regierung Schuld ist, dass die Bauern und Bäuerinnen eine zentrale Rolle der Versorgung inne haben und dass NGOs interensiv ihrer Bildungsaufgabe nachgehen müssen.

Konkret hieß das für die Arbeit von IFTz folgendes: Die Erkenntnisse sollten an alle Akteure weitergeleitet, ein Informationscenter errichtet und Aktions- und Landnutzungspläne entwickelt werden. Desweiteren müsse das Thema in Zukunft in alle Trainings von IFTz aufgenommen und die Finanzierung dieser Aktivitäten langfristig gesichert werden.